Der Aufstieg der KI-gesteuerten Entscheidung, CLARITY

Der Aufstieg der KI-gestützten Entscheidungsfindung hat die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, verändert und alles von Kundeninteraktionen bis hin zu ganzen Branchen umgestaltet. Doch in dem Maße, in dem Algorithmen in den Mittelpunkt rücken, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie können wir sicherstellen, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt? Im CLARITY.SHOW-Podcast erörtert Andreas Welch, ein renommierter KI-Experte und Autor von The AI Leadership Handbook, mit Karyna Mihalevich, Chief Product Officer und SAP Intelligent Enterprise Ambassador, wie Führungskräfte ihre Unternehmen durch diese Ära der disruptiven Innovation führen können.

Schneller Macher vs. Kluger Entscheidungsträger

Zum Auftakt des Gesprächs stellte Andreas einen praktischen Rahmen für das Verständnis der Rolle der KI bei der Automatisierung und Autonomie vor. Er beschrieb, wie Unternehmen ihre KI-Reise anhand einer zwei-mal-zwei-Matrix abbilden können, um den Übergang von regelbasierten Systemen zu datengesteuerter Autonomie zu beleuchten.

In der Vergangenheit folgte Software den “Wenn-dann”-Regeln, was zu vorhersehbaren, aber starren Ergebnissen führte. Heute können maschinelles Lernen und KI-Agenten mit Ungewissheit umgehen, indem sie Entscheidungen auf der Grundlage von Datenmustern statt auf der Grundlage vordefinierter Regeln treffen.

“KI-Agenten verlagern sich von der einfachen Automatisierung sich wiederholender Aufgaben hin zur Bearbeitung komplexer Ziele, wie der Erstellung von Marketing-Briefen oder der Beantwortung von Kundenanfragen”, so Andreas. Diese Unterscheidung zwischen Automatisierung – der schnelleren Erledigung von Aufgaben – und Autonomie – dem eigenständigen Treffen von Entscheidungen – bildet die Grundlage für das Verständnis des Potenzials von KI.

Die Diskussion drehte sich natürlich um praktische Überlegungen zur Einführung von KI-Lösungen.

Die Einführung von KI-Lösungen. CLARITY

Serienmäßig vs. Open Source

Eine der wichtigsten Fragen, mit denen sich Unternehmen konfrontiert sehen, ist die, ob sie KI-Lösungen von der Stange einsetzen oder Modelle mit Open-Source-Frameworks entwickeln sollen. Andreas hat die Kompromisse hervorgehoben:

Modelle von der Stange: Diese bieten Komfort und Schnelligkeit, wobei Anbieter wie OpenAI die Herausforderungen der Infrastruktur und Skalierbarkeit bewältigen.

Open-Source-Modelle: Sie bieten Transparenz und Kontrolle, erfordern aber erhebliche Investitionen in Infrastruktur und Know-how.

“Open Source scheint auf den ersten Blick kostenlos zu sein, aber das Hosting und die Wartung dieser Modelle verursachen Kosten”, betont Andreas. “Für schnelle Pilotprojekte sind Lösungen von der Stange großartig. Für groß angelegte Implementierungen kann jedoch die Flexibilität von Open-Source-Modellen von Vorteil sein.”

Karyna fügte hinzu, dass auch die Geschäftsziele die Entscheidungen leiten sollten. So können beispielsweise Vor-Ort-Modelle für Branchen mit strengen Sicherheitsanforderungen erforderlich sein, während Open-Source-Lösungen für begrenzte Anwendungsfälle mit spezifischen Datenanforderungen ausreichen können.

Scheitern und Lernen akzeptieren

Das Gespräch verlagerte sich dann auf einen menschlicheren Aspekt der KI-Führung – wie Unternehmen ihre Kultur anpassen müssen, um in dieser transformativen Ära erfolgreich zu sein.

KI-Projekte sind oft mit Ungewissheit verbunden, so dass Misserfolge unvermeidlich sind. Andreas betonte die Notwendigkeit eines kulturellen Wandels, bei dem Scheitern als Sprungbrett zur Innovation und nicht als Abschreckung betrachtet wird. “KI-Projekte sind eher wie Forschungsprojekte”, erklärte er. “Sie erfordern iterative Prozesse und eine Mentalität, die das Lernen aus Rückschlägen schätzt.

Der Experte erläuterte, wie Unternehmen Misserfolge als Katalysator für Innovationen nutzen können. Er empfahl, zu Beginn eines jeden Projekts klare Erfolgskriterien festzulegen, damit die Teams wissen, wie Fortschritt aussieht. “Es geht nicht nur darum, Ziele zu erreichen, sondern auch darum, klare Ausstiegsstrategien zu haben, wenn die Dinge nicht klappen. Das hilft den Teams, sich neu auszurichten, ohne das Gefühl zu haben, dass sie ihre Bemühungen vergeudet haben”, sagte er.

Karyna erzählte ein überzeugendes Beispiel aus ihrer eigenen Erfahrung und beschrieb, wie sie ein Umfeld förderte, in dem sich ihr Team sicher fühlte, Risiken einzugehen. “Wir haben alle dazu ermutigt, zu dokumentieren, was nicht funktioniert hat und warum, um Fehltritte in ein Handbuch für zukünftige Projekte zu verwandeln. Dadurch wurde das Scheitern nicht mehr als etwas angesehen, das man verstecken muss, sondern als etwas, das man als Teil des Wachstums feiern kann.”

Die Redner gingen auch auf die Rolle der Führungskräfte bei der Schaffung dieses Wandels ein. Andreas wies darauf hin, dass Führungskräfte dieses Verhalten selbst vorleben müssen. “Wenn Führungskräfte offen über ihre eigenen Misserfolge und die Lektionen, die sie daraus gelernt haben, sprechen, senden sie damit eine starke Botschaft an ihre Teams, dass Innovation und Widerstandsfähigkeit Hand in Hand gehen.”

KI als Werkzeug zur Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten, CLARITY

Der Mensch steht im Mittelpunkt der KI

Da KI die Arbeitsabläufe umgestaltet, sind die Sorgen über die Verdrängung von Arbeitsplätzen und die Entwicklung von Rollen groß. Sowohl Karyna als auch Andreas stimmten darin überein, dass KI als ein Werkzeug zur Verbesserung menschlicher Fähigkeiten gesehen werden sollte, nicht als Ersatz dafür.

“KI ist dazu da, uns effizienter zu machen, indem sie uns manuelle, sich wiederholende Aufgaben abnimmt, damit wir uns auf das konzentrieren können, was den Menschen ausmacht – Kommunikation, Entscheidungsfindung und Problemlösung”, sagte Karyna.

Andreas ermutigte Fachleute, sich mit KI-Tools vertraut zu machen. “Je mehr Sie mit diesen Tools experimentieren, desto produktiver und zukunftssicherer wird Ihre Karriere sein”, fügte er hinzu.

Effektive Implementierung von KI in Unternehmen, CLARITY

Die Zukunft des Prompting: Eine schwindende Fähigkeit?

Eine provokante Aussage aus Andreas’ Buch löste eine Debatte aus: “In der Zukunft wird es keine Eingabeaufforderungen mehr geben.” Er präzisierte seine Aussage und erklärte, dass die Notwendigkeit expliziter Aufforderungen abnehmen wird, wenn KI-Systeme immer ausgefeilter und nahtlos in Anwendungen integriert werden.

“Wir sehen dies bereits bei Tools wie Microsoft Copilot und Canva”, sagte er. “Sie kümmern sich um den Kontext und die Personalisierung im Backend, was die Interaktion intuitiv macht und den Bedarf an expliziten Aufforderungen reduziert. Sie denken nicht darüber nach, wie Sie einen Befehl formulieren sollen – Sie machen einfach Ihre Arbeit, und die KI unterstützt Sie dabei.”

Karyna ergänzte die Diskussion, indem er hervorhob, dass diese Entwicklung die Entwicklung von Benutzeroberflächen im Allgemeinen widerspiegelt. “Denken Sie an die Anfänge der Computertechnik, als wir uns noch bestimmte Befehle merken mussten. Heute tippen, wischen oder sprechen wir einfach in natürlicher Sprache mit unseren Geräten. Dasselbe geschieht mit der Eingabeaufforderung. Sie wird unsichtbar, da die KI unsere Bedürfnisse vorhersieht.”

Trotz dieses Wandels betonte Andreas, wie wichtig es heute ist, Prompting-Fähigkeiten zu erlernen. Er beschrieb Prompting als ein Tor zum Verständnis der Fähigkeiten und Grenzen der KI. “Wenn Sie einen Prompt erstellen, trainieren Sie im Wesentlichen, wie die KI zu denken – was sie braucht, um das gewünschte Ergebnis zu liefern. Diese Einsicht ist von unschätzbarem Wert, insbesondere für Führungskräfte, die versuchen, KI in ihren Unternehmen effektiv einzusetzen.”

Die Quintessenz

Mit Blick auf die Zukunft der KI betonte Andreas Welch, dass die Integration von KI in die täglichen Arbeitsabläufe nur noch weiter zunehmen wird. Anstatt ein eigenständiges Werkzeug zu sein, wird KI ein integraler Bestandteil der Geschäftsabläufe werden und die Produktivität und Entscheidungsfindung verbessern.

Entscheidend für eine effektive Führung bei diesem Wandel ist ein menschenzentrierter Ansatz. Sowohl Karyna als auch Andreas stimmten darin überein, dass KI die menschlichen Fähigkeiten ergänzt, anstatt sie zu ersetzen.

Durch die Automatisierung sich wiederholender Aufgaben ermöglicht KI den Teams, sich auf Innovation, Strategie und Kreativität zu konzentrieren. Führungskräfte, die sich diese Denkweise zu eigen machen, indem sie KI-Strategien mit den Unternehmenszielen abstimmen und eine Kultur der Anpassungsfähigkeit fördern, sind für den langfristigen Erfolg am besten aufgestellt. Es ist noch nicht zu spät, KI zu nutzen, so Andreas. Wir stehen erst am Anfang, und das Potenzial für Wachstum und Innovation wird weiter wachsen.